Simulation der Eskalation

Simulation der Eskalation

Marc Rohde // Köln, 22. November 2023

Truppenübungen am „Sandkasten“ gehören seit jeher zur militärischen Ausbildung, Simulationen mittels Computer oder auch spezialisierte Brettspiele sind in unseren Zeiten hinzugekommen. Stets geht es darum, Szenarien zu durchlaufen, Handlungsoptionen auszuprobieren, Erfahrungen zu machen – und zwar ohne echte Gefährdung oder Einsatz realer Ressourcen. Für die zivilen Teile der Bundeswehr gibt es aber noch keine vergleichbaren Angebote, obwohl auch sie integraler Bestandteil der staatlichen Sicherheitsvorsorge sind. Deshalb hat ein Team der BwConsulting entsprechende Impulse aufgenommen und konzeptionelle Grundzüge skizziert.

Kompetenzen stärken

Mit einer Reihe von Impulsen will die BwConsulting dazu beitragen, Problemlösungs-Fähigkeiten und -Methoden in der Bundeswehr zu stärken.

Eine Auswahl:

Innovationen - und wie man sich ihnen strategisch nähert

Fehler, Vertrauen, Fortschritt

Operationelle Architektur in der Praxis

Impulse zur kulturellen Transformation

Unsere Projektcluster:

Von Landes- und Bündnisverteidigung, Digitalisierung bis hin zu Rüstung & Nutzung

 

Plötzlich war alles dunkel. Selbst die vertrauten Leuchtdioden des Kühlschranks waren erloschen, zeitgleich signalisierte ein Gluckern im Heizkörper, dass die Pumpe ausgesetzt hat. Ein Blick durchs Fenster auf die Straße zeigte ebenfalls nur undurchdringliche Dunkelheit. Erste Passanten schalteten die Taschenlampen-Funktion ihrer Smartphones ein, um den Weg sicher fortzusetzen. Naja, ein Stromausfall. Wird schon vorbeigehen. Aber was, wenn nicht?

Dies ist das Ausgangsszenario des Brettspiels „Neustart“ der Firma Spieltrieb, das seit 2022 auf dem Markt ist. Hier wird ein großflächiger, mehrtägiger Stromausfall simuliert mit all den Folgen, die ein solcher Blackout für eine Gemeinde, ihre Einwohner und insbesondere die Verwaltung haben könnte. Die Mitspieler:innen übernehmen verschiedene Rollen eines Krisenstabs, werden mittels Stoppuhr und Ereigniskarten zu schnellem Handeln gedrängt, der Spielverlauf ist abhängig von getroffenen Maßnahmen sowie Würfelergebnissen. Auf diese Weise sollen sie als Notfall-Einsatzkräfte ein Empfinden dafür entwickeln, welche Eigendynamiken Krisensituationen mit sich bringen, wie Handlungsstrategien aussehen können – vor allem: Was es für ein Mindset erfordert, mit solchen bedrohlichen Lagen umzugehen.

Exzellente Ergänzung für unsere Konfliktbild-Methode

„Unser ziviler Projektpartner im Ministerium hatte schon von diesem Krisenszenario-Spiel gehört“, sagt Elisabeth, Managerin bei der BwConsulting, „so entstand der Impuls, den Faden aufzunehmen und für unsere Projekt- und Themenarbeit zu nutzen. Denn die Idee, sich einer krisenhaften Entwicklung strategisch-spielerisch zu nähern, ist eine sehr gute Ergänzung für die Konfliktbild-Methode, die wir für das Bundesministerium der Verteidigung im Kontext der Refokussierung auf Landes- und Bündnisverteidigung entwickelt haben.“

Zu Land, zu Wasser und in der Luft: Die Bundeswehr demonstriert Einsatzbereitschaft für den verteidigungspolitischen Auftrag - und auch mittels Konfliktbildmethoden werden passende Reaktionen auf Eskalationsszenarien durchexerziert

Das gesamte Kontinuum von Friedensalltag bis hin zum Verteidigungsfall - im Wechselspiel mit notwendigen Maßnahmen - wird sichtbar gemacht
Vermeidung "blinder Flecken"

Mit dieser Methode wird das gesamte Kontinuum von Friedensalltag bis hin zum Verteidigungsfall im Wechselspiel mit notwendigen Maßnahmen sichtbar gemacht – gerade für administrative und prozessuale Themen. Unsere Konfliktbild-Methode erleichtert Planungen, verhindert „blinde Flecken“ und wird in verschiedenen Bereichen der Bundeswehr bereits erfolgreich eingesetzt. „Mit einem Strategie-Brettspiel könnte der Zugang zu der Methode noch einmal erleichtert werden. Neustart ist ein guter Einstieg, behandelt jedoch eine zeitlich begrenzte Krise im Kontext einer Kommune“, ergänzt Elisabeth.

Der Fokus unseres Projektteams liegt deshalb zentral darauf, mittels bewährten Szenariotechniken und variablen Gedankenexperimenten eine bessere Konflikt-Beherrschung zu erreichen. Unterstützt wird dieses sicherheitspolitisch relevante Vorhaben durch die Expertise unseres Themenfeldes LV/BV. Gemeinsam arbeiten die Kolleg:innen an einem Simulationsdesign, das die Prozesse der Wehrverwaltung im Fall der Bündnisverteidigung aufzeigt.

Gemeinsam entwickeln, gemeinsam testen

„Unser Ziel ist es“, erläutert Olivia, Beraterin bei der BwConsulting, „ein strategisches Spiel mit modularem Charakter zu entwickeln. Dies soll gleichermaßen einen Transfer zwischen den Verwaltungsbereichen und ebenso in realitätsnahe Situationen sicherstellen. Relevant ist hierfür insbesondere der enge Bundeswehr-interne Austausch währen der Entwicklungsphase, um den Bedarf optimal zu decken“.

Der Termin für eine gemeinsame Probe des Gedankenexperiments mit zivilen und militärischen Projektpartner:innen ist bereits angesetzt und das Team vorbereitet, das bisherige Konzept dem konkreten Feedback schnell anzupassen. Spoiler: Auch die von uns entwickelte Auftakt-Krisenfall-Simulation eskaliert mit einem Blackout. Der Fall der Bündnisverteidigung wird ausgerufen und die Wehrverwaltung ist gefordert, die stetig eingehenden Anforderungen zu erfüllen, um die Verteidigung von Frieden und Freiheit zu gewährleisten. Die Lage eskaliert im weiteren Verlauf der Simulation: Durch eine Krankheitswelle werden wichtige Stabsstellen lahmlegt, Ausrüstungseinheiten sind falsch gekennzeichnet, Nachschubwege zum Teil blockiert. So nähern wir uns dem Ziel und Zweck dieses Gedankenexperiments: Die in dieser Simulation beteiligten Rollenspieler:innen unter eskalierenden Stresssituationen in Resilienz und Zielfokussierung zu trainieren.

Neues Denken: Mit ergebnisoffenen Gedankenexperimenten gelingt die Annäherung an optimierte Antworten auf sicherheitspolitische Fragen.