

©Bundeswehr/Jörg Carstensen
Theresa Schüller, Marc Rohde // Berlin | Köln, 15. Juni 2024
Es hat lange gedauert, bis der Begriff Veteran:in Eingang in die bundesdeutsche politische Diskussion gefunden hat. Dabei beginnen anlassgebende Ereignisse für die Bundeswehr spätestens in den 1990er Jahren mit dem Einsatz in Somalia, doch auch zuvor waren Angehörige der Streitkräfte – meist in humanitären oder Beobachtungsmissionen – international gefordert. Und überhaupt: Sind nicht auch Soldatinnen und Soldaten ohne Einsatzbeteiligungen, insbesondere des Kalten Krieges Veteranen, in ihrer Zeit zum Kämpfen bereit, glücklicherweise darin nicht gefordert?
Ende 2018 hat die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ein umfassendes Verständnis des Veteranenbegriffs festgelegt:
Veteranin oder Veteran der Bundeswehr ist, wer als Soldatin oder Soldat der Bundeswehr im aktiven Dienst steht oder aus diesem Dienstverhältnis ehrenhaft ausgeschieden ist, also den Dienstgrad nicht verloren hat.
Dies war aber eher der Ausgangs- denn der Endpunkt eines wichtigen Diskussionsprozesses. Den wir auch in der BwConsulting führen, da wir viele ehemalige Soldat:innen - vom Wehrpflichtigen über Zeitsoldatin mit Einsatzerfahrung bis hin zu ausgeschiedenen Berufssoldaten - in unseren Reihen haben, zudem aktive Reserveangehörige, die in der Summe mehr als 500 Übungstage in den vergangen Jahren absolviert haben.
Veteran: Vorgeprägter Begriff
"Ich glaube, dass Veteran ein in unserer aktuellen Gesellschaft stark vorgeprägter Begriff ist", sagt Christian H., der als Offizier selbst Einsatzerfahrung gesammelt hat, "wobei diese Vorprägung vor allem beeinflusst ist durch Bilder aus den Weltkriegen oder US-amerikanische Medien. Er wird sich in Deutschland neu entwickeln müssen. Hierfür sehe ich den Veteranentag als richtiges Signal auch im Kontext der Zeitenwende, um die Diskussion über verteidigungspolitische Kernthemen - beispielsweise Wehrdienst oder Kriegstüchtigkeit - in die breite Öffentlichkeit zu bringen."
Ähnlich sieht es Martin, der auf eine Balkan-Mission zurückblickt: "Was bedingt es, sich als Veteran zu fühlen, abseits der bekannten, sehr weiten Definition? Bedeutet es beispielsweise, die im Eid versprochene Tapferkeit in wirklich kritischen Situationen unter Beweis gestellt zu haben? Ich begrüße es, wenn der Veteranentag solche Diskussionen fördert. Und diese vor allem praktische Auswirkungen für diejenigen mit sich bringen, die tatsächlich tapfer sein mussten und entsprechende Erfahrungen in sich tragen."
Unser Kollege Christian W. hat in Afghanistan Tapferkeit in diesem Verständnis zeigen müssen. Und findet die Einrichtung des Veteranentages noch aus anderen Gründen wichtig: "Der Veteranentag ist aus meiner Sicht eine sehr gute Maßnahme, um die Wertschätzung auch der aktiven Soldatinnen und Soldaten zu verbessern. Während meiner Dienstzeit ist es durchaus vorgekommen, dass ich bei Dienstreisen in Uniform an öffentlichen Plätzen angepöbelt wurde. Wenn der Tag zu mehr Reflektion in der Bevölkerung beiträgt und verhindert, dass andere Kameradinnen und Kameraden solche Erfahrungen machen müssen, dann ist das ein großer Erfolg."
Der Veteranentag schafft ein konkretes Momentum, sich aktiv mit Rolle, Aufgabe und Verständnis unserer Bundeswehr auseinanderzusetzen
"Diese Gedanken und Erfahrungen zeigen für mich sehr deutlich die Notwendigkeit, den Dialog über Landes- und Bündnisverteidigung aus einem rein militärischen Kontext herauszulösen und zu einem ausdrücklich gesamtgesellschaftlichen Thema zu machen", meint BwConsulting-Geschäftsführer Michael Rogasch, selbst Oberst i.G. mit vielfältigen Führungserfahrungen in Grundbetrieb und Einsatz. "Er kann und darf nicht nur in Fach-Communities gepflegt werden, was seit Aussetzung der Wehrpflicht als schleichender Prozess beobachtbar wurde. Vielmehr muss wieder ein breiter kultureller Zugang für alle Ebenen der Gesellschaft geebnet werden. Meine Beobachtungen aus anderen Staaten mit einer für unser Empfinden bisweilen überhöhenden Veteranenkultur können vor dem Hintergrund unserer Geschichte sicher nicht unreflektiert handlungsleitend sein - der Veteranentag schafft jedoch ein wieder konkretes Momentum, sich aktiv mit Rolle, Aufgabe und Verständnis unserer Bundeswehr auseinanderzusetzen und gibt dem Diskurs darüber hinaus eine Perspektive auf Soldat:innen als Menschen und Individuen."

Die BwConsulting war aktiver Unterstützer der Invictus Games 2023 - Von Projektaufsatz bis Volunteer-Einsatz
Umsetzungsbegleitung Soldatenentschädigungsgesetz
Als Inhouse-Beratung der Bundeswehr haben wir auch einen konkreten fachlichen Bezug zum Thema. Denn Teil des Bundestagsbeschlusses war die Forderung einer bessere Versorgung von Veteran:innen und ihren Familien. Beispielsweise sollen die barrierefreie Beratung und ein grundsätzlich schnelleres Verfahren ermöglicht werden. Hierbei unterstützt ein Team der BwConsulting das Projekt zur Umsetzung des Soldatenentschädigungsgesetztes (SEG).
Das Projekt zielt insbesondere darauf ab, die Beantragung und den Erhalt einer Entschädigung zu vereinfachen. Unser Team berät bei der Prozessgestaltung für die optimierte Fallbearbeitung sowie die digitale Datenerfassung.
"Das Projekt ist für mich wirklich besonders und mit sehr hohem Mehrwehrt. Es hilft Menschen in der Bundeswehr oder Ehemaligen direkt“, so unsere Projektleiterin Victoria. „Daneben macht die thematische Vielschichtigkeit und Diversität den speziellen Reiz aus.“ Auch Victoria, selbst nicht aktiv in den Streitkräften gewesen, wünscht sich mehr Bewusstsein und Anerkennung in der Bevölkerung für die Menschen, die ihren Dienst für das Land leisten. „Durch das Projekt habe ich viele Soldatinnen und Soldaten kennengelernt, die sehr passioniert ihrem Beruf nachgehen oder nachgegangen sind, im Dienst für unser Land etwas erlitten haben und dann wieder die Integration in den Alltag vollführen müssen. Das ist unglaublich schwierig. Ich glaube, hier braucht es mehr Offenheit, mehr Akzeptanz und mehr Unterstützung.“
