

© Bundeswehr/ Jörg Carstensen/ Tom Twardy/ Privataufnahme
Theresa Schüller // Berlin, 23. Juli 2024
Neben seiner Tätigkeit als Berater bei der BwConsulting hat sich unser Kollege Vincent entschlossen, eine Reserveausbildung bei der Bundeswehr zu absolvieren. Vielfältige Motivationen treiben den 32-jährigen dabei an. Am Samstag fand in Berlin sein Feierliches Gelöbnis statt. Wie erlebt er die Ausbildung? Was waren prägende Eindrücke und welchen Einfluss haben die neuen Erkenntnisse für seine Arbeit? Wir sprachen vor dem Gelöbnis mit ihm.
Es ist Samstagnachmittag in Berlin und Vincent setzt mit einer Mischung aus Stolz und Respekt sein grünes Barrett auf. Dazu trägt er zu ersten Mal in der Öffentlichkeit den großen Dienstanzug - aufgrund der Hitze ist die Variante mit kurzärmeligen Hemd angeordnet worden -, denn der Anlass könnte kaum bedeutsamer sein. Das Feierliche Gelöbnis steht bevor, ein Moment, der nicht nur seinen persönlichen Werdegang in der Bundeswehr als Reservist markiert, sondern auch im Zeichen des Gedenkens an den Deutschen Widerstand vom 20. Juli 1944 steht. Die Atmosphäre auf dem Paradeplatz des historischen Bendlerblocks ist von feierlicher Anspannung geprägt, den Rekrut:innen ist die Aufregung anzumerken. Dieses besondere Ereignis ehrt nicht nur die neuen Angehörigen der Streitkräfte, sondern auch das Andenken an jene, die im Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit ihr Leben gaben.
Vincent, was war Deine Motivation, dich für eine Reserveausbildung zu melden? Hattest Du zuvor - abgesehen von der BwConsulting - Berührungspunkte zur Bundeswehr?
Nein, vor der BwConsulting hatte ich tatsächlich gar keine direkten Berührungspunkte zur Bundeswehr – das macht meine Erfahrungen umso spannender. Dabei ist meine Motivation für die Reserveausbildung vielschichtig, lässt sich aber gut in drei Punkte zusammenfassen. Der erste Grund ist die aktuelle Lage. Hier hat sich seit dem russischen Überfall auf die Ukraine einfach viel verändert für uns alle. Zur Abschreckung gehört nach meiner Überzeugung auch eine Reserve, die im Verteidigungsfall in der Lage ist, die Streitkräfte aufwachsen zu lassen.
Der zweite Grund ist mein Wunsch nach gesellschaftlichem Engagement. Ich war früher aktives Mitglied der freiwilligen Feuerwehr und habe gerne in meiner Freizeit etwas für die Gemeinschaft getan. Das kann ich nun auch als angehender Reservist.
Der dritte Grund ist allerdings auch meine Arbeit. Ich arbeite intensiv mit unseren Projektpartnerinnen und Projektpartnern aus Ministerium, Truppe und Verwaltung zusammen und in der Reserveausbildung kann ich noch einiges dazu lernen. Die Mischung aus der analytischen Beraterperspektive und den Einblicken als Reservist macht es einfach unfassbar spannend für mich.
Wie hat Dein privates Umfeld auf Deine Entscheidung reagiert?
Die Reaktionen in meinem privaten Umfeld waren durchweg positiv. Viele Freunde und Familienmitglieder waren sehr unterstützend und fanden es toll, dass ich diesen Weg einschlage. Natürlich haben wir viele Gespräche geführt und ich habe auch erklärt, was diese Ausbildung genau für mich bedeutet. Mit dem Beginn der Ausbildung und meinen damit verbundenen Erzählungen haben alle auch ein viel klareres Bild sowohl von der Ausbildung als auch von der Bundeswehr an sich erhalten.
Wie hast Du das Antragswesen erlebt? Und wie war der Start?
Das Antragswesen war auf jeden Fall sehr umfassend und hat einige Zeit in Anspruch genommen - darauf sollte man sich definitiv einstellen. Zwischendurch gab es Wochen, in denen ich nichts gehört habe. Durch etwas telefonieren mit dem Personalamt der Bundeswehr konnte ich dann aber den aktuellen Stand jeweils erfahren. Die Einschleusung verlief reibungslos. Von der ersten Begrüßung an fühlte ich mich gut aufgehoben und professionell betreut. Der 7-tägige Einführungsblock war besonders hilfreich, um sich im neuen Umfeld zurechtzufinden und die neuen Kameraden besser kennenzulernen.
Die Professionalität und die Kameradschaft unter den Reservisten – das fand ich besonders eindrucksvoll.
Was waren prägende erste Eindrücke?
Die Professionalität und die Kameradschaft unter den Reservisten – das fand ich besonders eindrucksvoll. Es herrscht ein starkes Gemeinschaftsgefühl und diese Wahrnehmung hat sich im Laufe der Zeit nur verfestigt.
Welche Ausbildungsinhalte lernst Du? Was findest Du besonders interessant – was ist bisweilen auch sehr anstrengend?
Theoretische sowie praktische Waffen- und Gerätekunde, Unterrichte zum Wehrrecht, Sport, aber auch Formaldienst - das alles kann an einem Wochenende auf einen zukommen. Insbesondere das Thema Völkerrecht fand ich sehr spannend, da ich vorher damit wenig zu tun hatte. Auch Wach- und Sicherungsaufgaben praktisch zu üben, gehörte zu den aufregenderen Aufgaben. Etwas ermüdend sind die obligatorischen Belehrungen: Natürlich ist es wichtig, dass steuerfinanziertes Material mit einer besonderen Sicherheit behandelt wird. Ebenso auch Arbeitsschutzhinweise zum Gebrauch von Gehörschutz – oder einer Leiter. Für den Nachweis muss dann einiges an Papier bewegt werden.
Verändert die Ausbildung Dich – oder Deinen Blick auf sicherheitspolitische Themen?
(Lacht) Ich glaube, dass meine Sätze kürzer und prägnanter werden. Insbesondere aus dem Sprachschema „Ankündigungs- und Ausführungsbefehl“ habe ich viel übernommen. Das habe ich in der Ausbildung kennengelernt und sorgt dafür, dass alle Angesprochenen bis zum Schluss zuhören.
Aber wenn man regelmäßig Uniform trägt, verändert das auch den Blick auf die Nachrichten beispielsweise aus der Ukraine. Sie fühlen sich für mich nahbarer, greifbarer und durchaus noch erschreckender an. Auch wenn ich bislang natürlich nur grundlegende militärische Kenntnisse habe, besteht dennoch das Gefühl, eine neue Brille zu tragen, die mich Zusammenhänge nun besser verstehen und nachvollziehen lässt.
Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe.
Wie beeinflussen Deine neuen Erkenntnisse Deine Arbeit bei der BwConsulting?
Mehr als mir das gerade bewusst ist. Es sind vor allem Kleinigkeiten, die meine Arbeit positiv beeinflussen. Vor allem die Kenntnisse um die Sprache oder die innere Haltung im Militär. In der BwConsulting machen wir viel, um neuen Kolleginnen und Kollegen ohne Vorerfahrung Grundlagen zur Bundeswehr zu vermitteln. Aber durch meine Ausbildung wird das für mich deutlich verstärkt.
Ein praktisches Beispiel sind Taschenkarten, die alle Soldatinnen und Soldaten bei sich tragen. Ich habe im Rahmen der Projektarbeit bereits welche erstellt, die Verwendung blieb für mich aber Theorie. Jetzt nutze ich dieses Format – und kann nun besser einschätzen, was sinnvoll ist und was nicht. Ich denke schon, dass meine Beratungsleistung davon profitieren wird.
Wirst du für die Ausbildungszeiten vom Arbeitgeber freigestellt?
Ja, die BwConsulting unterstützt mich in dieser Hinsicht sehr. Für die Ausbildungsabschnitte an Werktagen werde ich freigestellt, was mir die notwendige Flexibilität gibt, um mich voll und ganz darauf konzentrieren zu können. Und ich habe stets viel Rückenwind von allen Kolleginnen und Kollegen erhalten, egal ob von der Personalabteilung oder in meinem Projektteam. Wie ich durch den Austausch mit anderen Reservisten erfahren habe, ist das keine Selbstverständlichkeit, und ich bin sehr dankbar dafür.
Als die letzten Worte des Gelöbnisses verhallen, breitet sich eine feierliche Stille über den Innenhof des Bendlerblocks aus. Die Rekrut:innen haben soeben geschworen, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Die Anwesenheit des Bundespräsidenten, der Bundestags- und Bundesratspräsidentin, des Bundeskanzlers, des Verteidigungsministers, des Generalinspekteurs und weiterer hochrangiger Vertreter aus Politik. Militär und Gesellschaft unterstreicht die Bedeutung dieses Augenblicks. Dann erklingt die Nationalhymne. Die Klänge untermalen noch einmal den Schwur und Eid, den die Rekrut:innen gerade geleistet haben.
Nach dem Appell löst sich die Anspannung. Vincent fühlt sich erleichtert und erfüllt zugleich - der Formaldienst ist ohne Patzer verlaufen. Mit einem neuen Sinn für Pflicht im Herzen verlässt er mit Freunden und Familie den Bendlerblock – und freut sich schon auf den nächsten Ausbildungsabschnitt am übernächsten Wochenende.


