Studie

Verteidigung braucht Wirtschaft – Deutschland als logistische Drehscheibe der NATO

Studie

Verteidigung braucht Wirtschaft – Deutschland als logistische Drehscheibe der NATO

Welche Herausforderungen bestehen bei der Einbindung der Privatwirtschaft in die Landes- und Bündnisverteidigung? Welche internationalen Modelle gibt es für privatwirtschaftlich-militärische Zusammenarbeit in der Praxis? Wie kann ein übertragbares Lösungskonzept für Deutschland aussehen? An diesen Leitfragen orientiert sich eine Studie, die wir gemeinsam mit dem zentrum Nachhaltige Transformation der Quadriga Hochschule und der Porsche-Company MHP erstellt haben. Fokus sind die Herausforderungen an die logistische Drehscheibe Deutschland.

Marc Rohde // Köln, 14. November 2025

Im Kalten Krieg galt Deutschland als Gefechtsplatz zwischen Ost und West – heute als logistische Drehscheibe der NATO in Europa. Im Krisen- oder Bündnisfall müssten bis zu 800.000 Soldatinnen und Soldaten binnen sechs Monaten durch Deutschland verlegt und dabei versorgt werden. Deutschlands Rolle als logistische Drehscheibe erfordert dabei erhebliche Ressourcen, effektive Logistik und eine strategische digitale Koordination aller Akteure.

Die Bundeswehr muss diese Aufgabe jedoch nicht allein stemmen: Eine mögliche Lösung ist eine digitale, systematische und datengetrieben Partnerschaft mit der Privatwirtschaft. Die gemeinsame Studie zeigt, wie eine solche Kooperation aussehen könnte und warum privatwirtschaftlich-militärische Zusammenarbeit unabdingbar ist. Im Fokus hierbei: die Schaffung einer digitalen Plattform zur transparenten und koordinierbaren Verknüpfung privatwirtschaftlicher Versorgungskapazitäten mit militärischen Bedarfen.

Henning Schulze, Partner bei MHP: „MHP bringt langjährige Erfahrung aus der Automobil- und Fertigungsindustrie ein. Diese Branchen zeigen, wie Resilienz, Effizienz und Steuerbarkeit gelingen können. Für die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes ist dieses Wissen entscheidend. Die Studie verdeutlicht, wie sich dieses Potenzial – etwa durch digitale Zwillinge und Simulationen – praktisch nutzen lässt."

Michael Rogasch, Geschäftsführer der BwConsulting: „Die Studie liefert ein Beispiel, wie der OPLAN Deutschland operationalisiert und dessen Umsetzung vorangetrieben werden könnte. Die Studie zeigt außerdem den substanziellen Mehrwert unseres Frameworks Comprehensive Defence: Das Framework gibt dem Konzept der Integrierten Sicherheit aus der Nationalen Sicherheitsstrategie einen funktionalen Rahmen und schafft so ein umsetzungsorientiertes Verständnis von gesamtstaatlicher und gesamtgesellschaftlicher Verteidigung.“

Prof. Dr. Torsten Oltmanns, Managing Partner des zentrum Nachhaltige Transformation: „Verteidigungsfähigkeit entsteht nicht allein durch Ausrüstung, sondern durch Kooperation und Vertrauen zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.“

Die Studie macht deutlich: Deutschlands Verteidigungsfähigkeit wird maßgeblich durch die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft beeinflusst. Eine gemeinsame digitale Plattform kann militärische Bedarfe und privatwirtschaftliche Fähigkeiten erstmals systematisch verbinden – und so Geschwindigkeit, Transparenz und Verlässlichkeit in der Versorgung schaffen. Es gilt, erprobte Konzepte zu übertragen und privatwirtschaftlich-militärische Zusammenarbeit dauerhaft zu verankern. Die Fähigkeiten der Privatwirtschaft sind keine Option, sondern Notwendigkeit.