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Interview: "Inhouse-Consulting: Mehrwert für die Projekte der Bundeswehr"

Interview: "Inhouse-Consulting: Mehrwert für die Projekte der Bundeswehr"

RM // 10.05.2017, Köln

Welchen Mehrwert kann Inhhouse-Beratung den Projekten der Bundeswehr bringen? Worin unterscheiden sich dabei interne und externe Beratung? Diese und andere Fragen beantwortete BwConsulting-Geschäftsführer Philip von Haehling in einem Interview mit dem VBB-Magazin, der Zeitschrift des Verbandes der Beamten der Bundeswehr. Wir geben hier das vollständige Interview aus der März-Ausgabe mit freundlicher Genehmigung des VBB wieder.

Herr von Haehling, Ihr bisheriges Berufsleben fand vor allem in der Consultingbranche statt. Stationen waren dabei bekannte Beratungshäuser, in welchen Sie zuletzt auch in der Unternehmensleitung tätig waren. Wie kam es zu Ihrem Wechsel zur Inhouse-Beratung der Bundeswehr?

Nun, es ergab sich für mich die wirklich glückliche Situation, dass Interesse und Chance zueinander fanden. Denn einerseits bin ich der Bundeswehr schon lange sehr verbunden: Ich diente nach dem Abitur zwei Jahre als Reserveoffizieranwärter in der Panzertruppe und habe den Kontakt zu den Streitkräften als Reservist stets aufrechterhalten. Inzwischen bin ich Oberstleutnant der Reserve, zuletzt habe ich regelmäßig in der Abteilung Strategie und Einsatz des BMVg Wehrübungen absolviert. Zudem hatte ich auch in meinen Beratungsprojekten immer wieder mit Ministerium und Bundeswehr zu tun.

Andererseits hat das BMVg aktiv am Markt einen neuen Geschäftsführer für das Unternehmen gesucht. Bei den Gesprächen, zu denen ich eingeladen wurde, habe ich dann zwei Dinge bemerkt, die meinen Entschluss zur Annahme des Stellenangebots reifen ließen: Erstens habe ich gespürt, dass die Akzeptanz von Beratung im Verteidigungsressort gestiegen ist. Es ist der Wille da, gemeinsam etwas zu bewegen. Zweitens konnte ich eine große Kongruenz zwischen den Vorstellungen des BMVg und meinen Ideen feststellen, wie Inhouse-Beratung stattfinden sollte. Das hat einfach gepasst.

Beratung ist ja kein ganz neues Thema für die Bundeswehr, sowohl von internen als auch von externen Beratern. Da Sie mit beiden Welten vertraut sind: Gibt es für Sie Unterschiede zwischen Inhouse-Consulting und externer Beratung? Was macht diese Unterschiede aus?

Ich glaube tatsächlich, dass es Unterschiede gibt. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass beide aufgrund unterschiedlicher Stärken ihre Berechtigung haben. Vielleicht zuerst zur Inhouse-Beratung und hier mit einem speziellen Blick auf die BwConsulting: Sie zeichnet sich nach meinem Empfinden vor allem dadurch aus, dass sie eine größere Nähe zu den Beratungsthemen und eine tiefere Kundenkenntnis besitzt. Daraus erwächst eine höhere Beurteilungsfähigkeit, was nicht nur denkbar, sondern auch machbar ist. Und diese Beurteilungsfähigkeit, die sich fortlaufend weiterentwickelt, bleibt bei Inhouse-Beratung im System erhalten. Insgesamt fühlt sie sich auch stärker mit ihrer Organisation und deren Zweck verbunden. Es mag abgedroschen klingen, aber in vielen Bewerbungsgesprächen bei uns ist es wirklich ein Thema für die Bewerberinnen und Bewerber: Inhouse-Beratung für das Verteidigungsressort wird als sinnstiftend empfunden, weil es um mehr geht als beispielsweise die Erhöhung von Verkaufszahlen.

Auf der anderen Seite ist der Vorteil externer Berater: Bei den großen Häusern findet man immer irgendwo eine Spezialisten, der ein ausgesuchtes Thema bis in die allerletzte Tiefe durchdrungen hat. Das hat ein Inhouse-Unternehmen in der Regel nicht, weil es solche Spezialisten nicht in der Breite vorhalten kann – für uns ist es klüger, diese Expertise im Bedarfsfall temporär einzubinden.

Überhaupt können externe Beratungshäuser größere Ressourcen vorhalten, da sie eine Vielzahl von Märkten und Kunden bedienen. Dadurch haben sie aber auch einen deutlichen Akquise-Druck, den es in dieser Form für die BwConsulting nicht gibt. Zudem ist für die Beauftragung externer Berater zumeist erst einmal eine Ausschreibung nötig.

Hier möchten wir einhaken: Sie haben richtigerweise gesagt, dass „zumeist“ eine Ausschreibung notwendig ist. Aber inzwischen gibt es auch Rahmenverträge mit externen Beratungsunternehmen, wodurch auch diese relativ schnell in ein Projekt geholt werden können. Welchen speziellen Mehrwert kann den Projekten dennoch die Inhouse-Beratung BwConsulting bringen?

Lassen Sie uns auf den Alltag blicken: In vielen Projekten ist es doch so, dass der Beratungsbedarf sich zunächst noch sehr unscharf abzeichnet. Hier können wir mit unseren Methoden sehr schnell bei einer Erststrukturierung unterstützen und interne und externe Beratungsunterstützung frühzeitig ergebnisorientiert steuern. So ist es beispielsweise bei der Erstellung des externen Gutachtens zum Rüstungsmanagement gelaufen.

Dann ist es für uns kennzeichnend, dass wir unseren Beratungsansatz und die dazugehörigen Methoden auf den Bedarf der Bundeswehr zugeschnitten haben. Wir sind so aufgestellt, dass wir ein Projekt durch alle Phasen begleiten können. Etwas provokant ausgedrückt: Wir geben eben nicht nur ein Papier ab, sondern unterstützen auch dabei, daraus ein Projekt aufzubauen und dieses umzusetzen. In unserem Ansatz nennen wir dieses Vorgehen das Zusammenspiel von „Strukturierter Analyse“, „Konzeption“ und „Management von Transformation“. Daneben ist es aber auch möglich, uns gezielt für einzelne Projektphasen anzusprechen.

Ein letzter Punkt: Wir sind vom BMVg als Berater und Instrument der Leitung positioniert worden. Dadurch unterstützen wir in vielen strategischen, besonders leitungsrelevanten Projekten des Ministeriums. Dies ermöglicht uns einen Blick auf die Aktivitäten des Gesamtressorts, wodurch wir auf mögliche Anknüpfungspunkte zwischen den Projekten hinweisen können. So können Synergien für eine ganzheitliche Weiterentwicklung genutzt werden.

Inzwischen sind Sie mehr als die berühmten ersten 100 Tage in Ihrem Amt als Geschäftsführer, Sie konnten sich daher bereits einen guten Überblick verschaffen. Sehen Sie Entwicklungsbedarf für die BwConsulting?

Auf jeden Fall! Die stete Weiterentwicklung ist für mich ein wesentliches Merkmal für Beratung, sonst kann sie keine innovativen Impulse mehr setzen. Man muss aber auch anerkennen, dass sich das Unternehmen in den vergangenen drei bis vier Jahren bereits deutlich weiterentwickelt hat. Ich spüre das durch die Akzeptanz, die der BwConsulting heute durch die Projektpartner in Ministerium und Bundeswehr entgegengebracht wird. Wenn man in der Historie zurückblickt, war dies sicherlich nicht immer in dieser Ausprägung vorhanden.

Momentan verfolge ich im Unternehmen mehrere Entwicklungsschwerpunkte: Wir fokussieren unser Beratungsangebot aktuell weiter auf die konkreten Anforderungen des BMVg. Im Kern steht dabei eine Konzentration auf die Beratungsfelder Strategie & Steuerung, Prozesse & Organisation und Projektmanagementunterstützung, in die wir unsere methodischen und fachlichen Kompetenzen einbringen. Hierzu bauen wir unsere Organisation um, womit wir auch den Matrixgedanken weiter stärken wollen – um also noch flexibler und schneller interdisziplinäre Beratungsteams für unterschiedliche Projektanfragen zusammenstellen zu können.

Im Mittelpunkt steht für mich aber vor allem die Homogenisierung unserer Beratungsleistung – hier sind wir noch zu uneinheitlich unterwegs. Ich hatte bereits unseren Beratungsansatz angesprochen: Dieser ist in seiner Deutlichkeit und Wiedererkennbarkeit noch recht frisch formuliert, auch wenn er bereits genutzte Instrumente enthält. Seine tiefe Implementierung in die Beratungsarbeit meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist erst angelaufen und Gegenstand einer intensiven Personalentwicklung in unserem Haus.

Gerade erst fand die Umbenennung von g.e.b.b. in BwConsulting statt. Ist auch sie Teil dieser Weiterentwicklung?

Natürlich, denn sie drückt diese Weiterentwicklung in besonderer Weise aus. Mit dem neuen Namen wird deutlich, was unser Auftrag ist und was wir machen. „Bw“ ist als Kürzel für die Bundeswehr weithin bekannt. „Consulting“ ist unsere Kernaufgabe. Aus dem alten Namen ließ sich dies kaum ableiten, er ist in einer anderen Zeit und unter anderen Vorzeichen ausgewählt worden.

Der neue Name BwConsulting ist zudem ein sichtbares Signal für unsere Neuaufstellung – nach innen wie nach außen. Es hängt ja auch viel damit zusammen: Die Priorisierung unseres Beratungseinsatzes auf die strategischen Projekte der Bundeswehr. Die Einrichtung eines Beirats, besetzt mit hochrangigen und erfahrenen Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung, der uns immer wieder Feedback und Impulse für die Veränderungsagenda liefern soll. Es bewegt sich also einiges.

Apropos bewegen: In welchen konkreten Projekten bewegt sich die BwConsulting denn aktuell?

Unsere Beratungsunterstützung fokussiert sich vor allem auf die großen Agenda- und Trendwende-Themen. Lassen Sie mich Beispiele anhand unserer Beratungsfelder nennen: Im Bereich Strategie & Steuerung wären dies beispielsweise die Projekte Krisenfrüherkennung oder auch Einsatzbereitschaftslage der Bundeswehr. Hier beraten wir bei der Identifizierung der notwendigen Informationsflüsse und wie diese dann generiert und systematisch zusammengeführt werden können. Für Prozesse & Organisation können Projekte wie die Implementierung des Prozessmanagements im BMVg, die Begleitung bei der Aufstellung des Bereichs CIR oder auch unsere Unterstützung der Task Force Drehflügler als Beispiele genannt werden. Für den Bereich Projektmanagementunterstützung sind die unmittelbare Beratung der amtsseitigen Projektleiter bei mehreren Rüstungsprojekten aktuelle Beauftragungen, womit die Fähigkeiten der Projektleiter bei der Vorhabensteuerung, beim Schnittstellenmanagement oder bei der Risikobewertung gestärkt werden sollen. Insgesamt sind wir momentan in 25 Projekten aktiv.

Eine letzte Frage: Suchen Sie sich Ihre Projekte selbst aus oder wie kommen Sie zu Ihrer Beauftragung?

Grundsätzlich werden wir durch das ministerielle Auftragsmanagement beauftragt. Die Impulse für eine Beratungsunterstützung kommen dabei häufig aus den Ebenen von der Ministeriumsleitung bis zu den Referatsleitern oder aus den vergleichbaren Ebenen der höheren Kommandos und Ämtern. Die Anfragen durchlaufen dann einen strukturierten Prozess. Dabei wird überprüft, welche Beratungsleistungen genau gefordert sind und ob wir diese Leistungen mit unserer Kapazität und unserem Know-how abdecken können.

Die notwendige Priorisierung unserer Beauftragungen findet dann im Lenkungsausschuss des Ministeriums statt. Wobei die Entscheidungen durch einen Arbeitskreis Priorisierung, dem Vertreter aus den Büros der Staatssekretäre und des Generalinspekteurs sowie auch Mitarbeiter der BwConsulting angehören, vorbereitet werden.

Herr von Haehling, wir danken Ihnen für das Gespräch.